Was die Tiefgarage besonders macht
In einer Tiefgarage hängen viele Stellplätze an einem gemeinsamen Hausanschluss, die Wege zur Unterverteilung sind oft lang und führen durch Wände und Decken. Dazu kommen Brandschutz und, je nach Lage, schwacher Mobilfunkempfang für die Anbindung der Ladepunkte. Wer hier Wallbox für Wallbox nachrüstet, zahlt mehrfach für Kabelwege und stößt schnell an die Grenze des Anschlusses.
Überlastung des Hausanschlusses vermeiden
Der entscheidende Baustein ist ein dynamisches Lastmanagement. Es misst laufend, wie viel Leistung das Gebäude gerade braucht, und gibt nur den freien Rest an die ladenden Fahrzeuge weiter. Steigt der Verbrauch im Haus, sinkt automatisch die Ladeleistung. Der Anschluss bleibt so immer innerhalb seiner Grenze.
Das funktioniert in der Tiefgarage besonders gut, weil Fahrzeuge dort meist viele Stunden stehen, vor allem über Nacht. Sie müssen nicht alle gleichzeitig mit voller Leistung laden, um morgens wieder genug Reichweite zu haben. Mehr dazu im Ratgeber Laden im Mehrparteienhaus.
Hausanschluss prüfen
Am Anfang steht die Frage, welche Leistung der Anschluss hergibt und wie viel davon im Alltag frei ist. Dafür werden Anschlussleistung, Absicherung und der tatsächliche Verbrauch des Gebäudes betrachtet. Reicht die Reserve auf Dauer nicht, gibt es zwei Wege: eine Erhöhung der Anschlussleistung beim Netzbetreiber oder ein Batteriespeicher, der Lastspitzen abfängt. Was sinnvoller ist, hängt vom Objekt ab.
Leitungswege und Unterverteilung
Kabelwege und Durchbrüche sind bei der Nachrüstung oft der aufwendigste Teil. Deshalb lohnt es sich, einmal eine Trasse oder ein Flachbandkabel-System für alle Stellplätze vorzusehen, auch wenn zunächst nur wenige Ladepunkte gebaut werden. Spätere Interessenten werden dann mit wenig Aufwand angeschlossen. Bei Neubau und größeren Renovierungen verlangt das GEIG ohnehin Leitungsinfrastruktur.
Brandschutz früh klären
Die Anforderungen hängen vom Bundesland, vom Gebäude und vom vorhandenen Brandschutzkonzept ab, pauschale Antworten gibt es nicht. Besonders wichtig sind Durchbrüche durch Wände und Decken sowie die Kabelführung. Bezieht Fachplaner, Bauaufsicht und Gebäudeversicherung früh ein, damit das Konzept nicht nachträglich geändert werden muss.
Abrechnung und Betrieb
Der Ladestrom muss dem richtigen Nutzer zugeordnet werden. Üblich sind Ladepunkte mit geeichten Zählern und ein Backend, das die Mengen je Nutzer erfasst. Abgerechnet wird über die Verwaltung oder einen Dienstleister. Prüft bei schwachem Empfang in der Garage, wie die Ladepunkte angebunden werden, und regelt Wartung und Störungsdienst gleich mit, damit die Verwaltung im Alltag nicht zur Hotline für Ladefragen wird.
In fünf Schritten zur Ladelösung
- Bedarf erheben: Wie viele Stellplätze gibt es, an wie vielen Standorten, und wie viele Nutzer wollen heute oder bald laden?
- Bestand aufnehmen: Hausanschluss, Zählerplätze, Unterverteilungen, Kabelwege und Mobilfunkempfang in der Garage prüfen.
- Konzept festlegen: Leitungswege für alle Stellplätze, Lastmanagement, Ladetechnik und Abrechnung als Gesamtlösung planen, Brandschutz mit den Beteiligten klären.
- Beschluss und Ausführung: Mit dem Konzept entscheidet die Eigentümergemeinschaft oder der Vermieter. Danach Installation und Anmeldung beim Netzbetreiber.
- Schrittweise erweitern: Weitere Ladepunkte werden bei Bedarf an die vorbereitete Infrastruktur angeschlossen, ohne neu zu planen.
Wie wir Wohnanlagen von der Bestandsaufnahme bis zum Betrieb begleiten, zeigt unsere Seite zur Ladeinfrastruktur für die Wohnungswirtschaft.
