Drei Wege zur öffentlichen Ladesäule
Wer öffentliche Ladesäulen anbieten will, muss zuerst klären, wer investiert und wer betreibt. Die Antwort hängt davon ab, ob Laden ein eigenes Geschäftsfeld werden soll oder vor allem ein Angebot für Bürger, Kunden und Gäste ist.
- Eigeninvestition und Eigenbetrieb: Der Flächeneigentümer investiert selbst, ist Betreiber und erhält die Erlöse. Planung, Bau, Wartung und Abrechnung kann er einzeln einkaufen. Volle Kontrolle, aber auch volles Risiko und Pflichten als Betreiber.
- Eigeninvestition mit Betriebsführung: Der Eigentümer investiert, ein Dienstleister übernimmt technischen und kaufmännischen Betrieb: Backend, Abrechnung, Störungsdienst, Meldungen. Geeignet für alle, die Ladesäulen anbieten, aber nicht selbst betreiben wollen.
- Betreibermodell: Der Eigentümer stellt die Fläche bereit, ein Betreiber errichtet und betreibt die Ladesäulen. Investition, Erlöse und Laufzeit regelt der Vertrag. Der Eigentümer hat wenig Aufwand, gibt dafür aber Einfluss und einen Teil der Erlöse ab.
Welche Variante passt, lässt sich nur am konkreten Standort beurteilen. Oft lohnt es sich, Eigeninvestition und Betreibermodell direkt nebeneinander zu rechnen.
Was einen guten Standort ausmacht
Eine Ladesäule wird genutzt, wenn sie sichtbar, gut erreichbar und zur Aufenthaltsdauer passend ist. Wichtig sind Verkehr und Lage, ein Grund zum Halten (Einkauf, Essen, Termin, Übernachtung), Zufahrt auch außerhalb der Öffnungszeiten und genug Platz für Fundamente, Leitungswege und gegebenenfalls eine Trafostation. Für Kommunen kommt hinzu, wie sich die Ladepunkte in ein Gesamtkonzept für Stadt oder Region einfügen.
AC oder DC: 22, 50 oder 150 kW?
Die Ladeleistung richtet sich danach, wie lange Fahrzeuge am Standort stehen. Zu schwache Ladesäulen frustrieren Fahrer, zu starke kosten unnötig Anschlussleistung.
- AC bis 22 kW: Lange Standzeit: Hotel, Arbeitsplatz, Wohnquartier, Park-and-Ride. Geringe Anschlussleistung je Ladepunkt, viele Plätze möglich.
- DC um 50 kW: Mittlere Standzeit von 30 bis 90 Minuten: Einkauf, Gastronomie, Freizeit, Innenstadt.
- DC ab 150 kW: Kurze Stopps: Durchgangsstraßen, Autobahnnähe, Logistik und Flotten. Braucht meist einen eigenen Mittelspannungsanschluss.
Gemischte Standorte mit einigen DC-Schnellladern und mehreren AC-Ladepunkten sind häufig ein guter Kompromiss.
Netzanschluss: der größte Zeitfaktor
Ein paar AC-Ladepunkte lassen sich oft am vorhandenen Anschluss betreiben, mit einem Lastmanagement, das die Leistung verteilt. Mehrere Schnelllader mit 150 kW brauchen dagegen meist einen eigenen Mittelspannungsanschluss mit Trafostation. Die Rückmeldung des Netzbetreibers kann dauern, deshalb gehört die Anschlussanfrage an den Anfang. Wo der Anschluss knapp ist, kann ein Batteriespeicher Lastspitzen abfangen und die nötige Anschlussleistung begrenzen.
Pflichten als Betreiber
Wer Ladepunkte öffentlich zugänglich macht, wird Betreiber im Sinne der Ladesäulenverordnung. Dazu gehören die Meldung bei der Bundesnetzagentur, eine eichrechtskonforme Messung und Abrechnung und die Möglichkeit, spontan ohne Vertrag zu laden. Hinzu kommen Wartung, Störungsdienst und ein Backend für Abrechnung und Fernüberwachung. Im Betreibermodell liegen diese Aufgaben beim Betreiber, bei Eigenbetrieb beim Flächeneigentümer oder dessen Dienstleister.
In fünf Schritten zur Ladesäule
- Standort einordnen: Lage, Verkehr, Verweildauer der Nutzer und verfügbare Stellplätze klären. Daraus ergibt sich die passende Ladeleistung.
- Netzanschluss prüfen: Vorhandene Anschlussleistung bewerten und früh beim Netzbetreiber anfragen, ob und wann mehr Leistung verfügbar ist.
- Modell wählen: Eigeninvestition, Betriebsführung oder Betreibermodell vergleichen, abhängig von Budget, Risiko und gewünschtem Einfluss.
- Planen und bauen: Tiefbau, Fundamente, Ladetechnik, gegebenenfalls Trafostation, Beschilderung und Anmeldung beim Netzbetreiber.
- Betreiben: Inbetriebnahme, Meldung, Backend und Abrechnung, Wartung und Störungsdienst über die gesamte Laufzeit.
Pro Energy plant, baut und betreibt Ladeinfrastruktur herstellerneutral, auf Wunsch im Betreibermodell. Für einen führenden Betreiber von Ladeinfrastruktur haben wir über 1.200 Ladepunkte in rund zwei Jahren schlüsselfertig umgesetzt, nachzulesen in der Case Study Ladeinfrastruktur (PDF). Mehr zu Ladesäulen für Unternehmen steht auf der Seite Ladeinfrastruktur für Unternehmen.
